Historisches

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Auf einem nordwestlich der alten Stadt Chemnitz gelegenen Höhenzuge stand einst das Schloss, ehemals seiner Lage und Bestimmung gemäß Bergkloster zu St. Maria genannt. Das Kloster wurde im Jahre 1125 vom Kaiser Lothar von Sachsen-Supplinburg errichtet und mit Benediktiner-Mönchen besetzt. War auch die Klosterzucht eine strenge und die Lebensweise
seiner Insassen eine einfache und wenig abwechslungsreiche, so ist doch aus alten Schriften bekannt, dass die Herren Patres an Fest- und Feiertagen oder aber bei Besuch von Gästen manch köstliche Speise auftischten und einem guten Trunke zur rechten Zeit nicht abhold waren. Die Kunst des Bierbrauens wurde von den Laienbrüdern ausgeübt und wir finden in den Aufzeichnungen, die auf das Jahr 1412 zurückgehen, Aussprüche und Bemerkungen, die mit Sicherheit darauf schließen lassen, dass im Kloster gebraut wurde. Da erzählt z. B. der Benediktiner-Pater Hubertus, dass das Bier des Bergklosters trefflich munde, und dass davon in den Kellern, die sich unten in den Berg zögen, noch viele Tonnen lagerten.


 

Aktien-Lagerbier-Brauerei zu Schloss-Chemnitz

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Es ist also erwiesen, dass unweit der Stelle, wo später die Aktien-Lagerbier-Brauerei zu Schloss-Chemnitz, im Volksmunde kurz Schlossbrauerei genannt, stand, von kundiger Mönchshand schon vor 600 Jahre zuvor Bier gebraut wurde. Der Umbau des Klosters in ein „fürstliches Schloss“ muss bald nach dem Jahre 1546 erfolgt sein, und das Schloss Kempnitz hat im Laufe der Jahrhunderte viel glückliche, aber auch viel sorgenschwere Tage gesehen.
Jahrzehnte brachten dem ehrwürdigen Bau mehr und mehr den Verfall und man liest 1750: ,,das meiste des Schlosses stehet wüste und unbewohnet, wiewohl es ziemlich groß ist.“ Später wurden die verfallenen Gebäude abgetragen und nach 1836 waren nur zwei Gebäude noch erhalten, nämlich die Schlosskirche und das Haupthaus. In letzterem befand sich die bekannte Wirtschaft ,,Zum Schlossgarten“, in welcher seit Gründung der Brauerei das Schlossbier zum Ausschank kam. Die Schlossbrauerei wurde im Jahre 1857 als Aktiengesellschaft gegründet. Gründer waren die Herren Advokat M. O. Koelz, Robert Winckler, Louis Benndorf und zwölf Herren, welche später den Gesellschaftsausschuss bildeten.


 

Sozietätsbrauerei Altendorf

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Das erste Jahrzehnt hindurch hatte die Brauerei mit mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen und erst in den 1870er Jahren erfolgte ein nennenswerter Aufschwung, der mit wenigen Unterbrechungen bis zur Schließung angehalten hat. Im Jahre 1883 kaufte die Gesellschaft das im Jahre 1876 gegründete Konkurrenz-Unternehmen, die Societätsbrauerei in Altendorf bei Chemnitz aus dem Konkurse an. Bis zum Jahre 1903 wurde in Altendorf Mälzerei betrieben, als jedoch im Mai 1903 ein großes Schadenfeuer zwei Drittel des Hauptgebäudes vernichtete, nahm man davon Abstand, den Betrieb in der alten Weise wieder aufzunehmen. Ein Jahr später (1904) wurde der ganze Flaschenbierbetrieb vom Stammgeschäft nach der Filialbrauerei Altendorf verlegt und hier entwickelte sich dieser Zweig zu ungeahnter Blüte.


 

Technische Ausstattung und Absatzentwicklung

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Seit dem Jahre 1912 wurde in Altendorf der gesamte bedarf an Flaschenbier gebraut, und während in den 80er und 90er Jahren das „Schlosslager“ ebenso gern in Flaschen wie vom Fass getrunken wurde, stieg von nun an auch der Absatz in Pilsner Bier aufs Doppelte und mehr. Auch der Umsatz in Lagerbier ist bisher nicht zurückgegangen, doch hat es keine so rapid aufsteigende Umsatzziffer zu verzeichnen gehabt wie das weit und breit bekannte und beliebte Schlosspilsner. Dieser Umstand ist wohl mit darauf zurückzuführen, dass die Qualität der in Chemnitz gebrauten Biere sich auch in denjenigen Kreisen des Publikums durchgesetzt hat, die in den ausländischen Produkten immer noch etwas Besseres zu finden glaubten. Das Hauptabsatzgebiet ist die Stadt Chemnitz und deren Umgebung. In früheren Jahren jedoch, als es in Deutschland nur wenige große Brauereien gab, setzte die Schlossbrauerei ihre Biere nicht nur in Sachsen, sondern auch im Auslande, in Nord- und Mitteldeutschland ab; sie lieferte in den 60er Jahren ihr Schlossbier ständig in nachfolgende Städte: Amsterdam, Breslau, Berlin, Bremen, Köln am Rhein, Danzig, Landsberg, Stralsund, u.a.m.
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Schon damals sind in der Abteilung für Flaschenbier ganz erhebliche Um- und Neubauten ausgeführt worden. So wurden eine neue Sudhauseinrichtung mit allen technischen Neuheiten, ein neues Maschinenhaus mit Reservedampfmaschinen und Dynamo, sowie eine neue Flaschenbier-Abziehhalle geschaffen worden. Besonders die letztere sollte allen Anforderungen der Zukunft auf Grund ihrer Geräumigkeit und zweckentsprechenden Innengestaltung gerecht werden. Mit den vorhandenen Apparaten konnten pro Tag 250 000 Flaschen eingeweicht, gereinigt, abgezogen und etikettiert werden, und die vorhandenen Kühlräume konnten 300 000 Flaschen abgezogenes Bier aufnehmen. Zwei Kreislauftransporteure, welche an den Abfüllmaschinen vorbei den Lagerraum und die Verladehalle passieren, konnten stündlich 80000 Flaschen Bier zuführen. Zwei andere Kreislauftransporteure bedienten die Abladerampe für leere Flaschen, sowie den Abladeplatz für neue aus der Glasfabrik kommende Flaschen, die Reinigungsmaschinen, ferner den Reinigungsraum für Flaschenkasten, und die Galerie der Flaschenhalle, auf welcher die fertig montierten Flaschen aufgestapelt liegen.


 

Schutzmarke

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Die Schutzmarke der Brauerei: Mönch mit Storch und Storchnest mit Jungen stammt aus dem Jahre 1883, in dem die Altendorfer Societätsbrauerei zugekauft wurde. Der Mönch verweist auf die alte Klosterbrauerei der Benediktiner zu Schloss-Chemnitz, während der Storch mit den noch im Neste befindlichen Jungen auf die Altendorfer Brauerei hinweist, welche auf dem Gelände eines alten Stadtgutes, genannt „Storchennest“, entstanden ist.